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Leseproben
SozSys 5 (1999), H.2
Fußnoten

 
Funktionen der Moralkommunikation - Wolfgang Krohn

(1) Frühere Fassungen des Textes wurden im Forschungskolloquium Systemtheorie der Fakultät für Soziologie, Universität Bielefeld, der Akademie für Technikfolgenabschätzung Stuttgart und der Europäischen Akademie Erforschung von Folgen wissenschaftlich?technischer Entwicklungen Bad Neuenahr?Ahrweiler vorgetragen. Allen Diskussionsteilnehmern, besonders G. Bechmann, A. Bora, O. Renn, J. Schmidt und U. Stäheli danke ich für ihre kritischen Kommentare, die zu vielen Verbesserungen geführt haben. Die von den anonymen Gutachtern der Zeitschrift benannten Schwachstellen konnten sicherlich nur unbefriedigend behoben werden. Den Verfasser haben die Diskussionen in der Ansicht bestärkt, dass das Risiko der soziologischen Analyse von Moral nicht geringer ist als das der Moral.

(2) Ein anschauliches Beispiel ist die Prägung des Wortes "Marktfundamentalismus", die für die moralische Diskreditierung einer neo-liberalistischen Haltung deren Gegnerschaft gegen moralischen Fundamentalismus nutzt.

(3) So schon im Titel: Peter Singer in Deutschland: zur Gefährdung der Diskussionsfreiheit in der Wissenschaft (Anstötz 1995)

(4) Die vorgelegte Analyse und Modellbildung wäre dann allerdings der Metaethik zuzurechnen. Da die meisten angewandten Ethiken auf normative Begründungen gerichtet sind, vermeidet man eine Sprachverwirrung, wenn man eine Soziologie der Moral nicht der Ethik, sondern der Metaethik zuordnet.

(5) (Hoffentlich) Selbstverständlich ist auch ,Inkonsistenz' keine Bedingung. Moralische Wertvorstellungen sind der argumentativen Durchdringung nicht weniger zugänglich als andere Überzeugungen, und Werte können sehr wohl - nicht immer transitiv - geordnet werden. Aber unter Bedingungen des Protestes kann es gute Gründe geben, auf Konsistenz und Ordnung zu verzichten, etwa um die Effektivität der Kommunikation zu steigern.

(6) Eine interessante Parallele bietet die neue Professionalisierung von Wissenschaft und Technologie. Während in der Architektur nach dem Vorbild Vitruvs für den Architekten eine umfassende Bildungs- und Tugendausstattung erwartet wurde, reduziert Leon Batista Alberti in seinem 1452 geschriebenen, 1486 veröffentlichten Werk "De re aedificatoria" die Tugenden auf die funktional notwendigen.

(7) Zur Fortentwicklung der Diskussion über die politische Ethik machiavellistischer Praktiken siehe Bok (1978, 1984).

(8) Die Rückkoppelung besteht beim Fliehkraftregler einfach darin, dass ein Ventil sich allmählich schließt, wenn durch zu starken Dampfdruck die Drehzahl der Maschine steigt; sinkt die Drehzahl, wird der Weg für den Dampf schrittweise wieder frei gegeben. Das technisch Interessante daran ist, dass trotz einer ungeregelten Kraftquelle keiner sich um die Einhaltung der richtigen Drehzahl kümmern muß. Die Maschine "findet selbst" ihr Gleichgewicht. Eben diese Gesetzmäßigkeit unterstellten die Theoretiker für das Funktionieren des freien Marktes.

(9) Das ließe sich parallel auch für die wissenschaftstheoretische Begründung der Wissenschaftsethik bei Francis Bacon und Descartes aufzeigen.

(10) Dafür spricht der beinahe stetige Strom an Literatur aus dem als prägnante Beispiele genannt seien: Hayek 1967, Buchanan 1985, Sen 1985, dessen Titel ,The Moral Standing of the Market' die Abwehrfunktion der ethischen Reflexion gekonnt zum Ausdruck bringt.

(11) Am genauesten ist dieser Zusammenhang in der Literatur zum zivilen Ungehorsam diskutiert worden (Rawls 1976, Kap. 6; Singer 1973).

(12) Zu den pragmatischen Einsatzmöglichkeiten des diskursiven Konfliktmanagements siehe Renn/Webler 1995, Köberle/Gloede/Hennen 1997.

 

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